Artikel

Designding

© Guntram WalterIn der Aufarbeitung und der Verstehensarbeit des alltäglichen Kreativitätswahns greife ich manchmal gerne auf alte logische Systeme zurück, in diesem Fall das bekannte Orniogramm. Und so suche ich in dem mir bekannten Aufbau aller künstlerischen und kunsthandwerklichen Berufe das oder den Neuen von der Plakatwand, nämlich Sandwichdesigner. Leider Fehlanzeige. Aber vielleicht bin ich auch nur nicht mehr in dieser Zeit und mein Nachschlagewerk ist veraltert. Oder ich schaue wahrscheinlich eher falsch und dann sogar noch im falschen Werk. Denn faktisch handelt es sich doch hier eher um die Tätigkeit eines Bauingenieurs mit pragmatischer Lebensmitteletagenbautätigkeit. Das ist (k)eine Kunst.

Artikel

Google analog

© Guntram WalterDas Auge ist ja in Verruf gekommen, weil überall. Die Glasaugen der allmächtigen Überwachung – es ist zu ihrer Sicherheit – stehen und hängen überall herum und glotzen starr. Speisen ihre Bits und Bytes in wirre Kabelnetze zur algorithmischen Auswertung und Weltverbesserung. Aber heute fand ich endlich etwas ganz Anderes, etwas Positiveres, vielleicht, ich dachte es einen Moment – und hier wieder ein Auge. Aber es ist auch ein altes Symbol der Tanszendenz mit seinen Schatten. Man findet das Motiv etwa im “orbis sensualium pictus” von Johann Amos Comenius, der unter anderem schreibt: “Das menschliche Gluckwesen ist nit zuzuschreiben dem Glück oder dem Zufall oder den Stern-Einflüssen, sondern Gottes allsehendem Aug und dessen allregirender Hand.” Hola. Kaum bin ich der Moderne mit den Kameras entkommen, werde ich hier in Freiheit wieder eingefangen. Sozusagen Google analog …

Artikel

Ach Italien

© Guntram WalterAch Italien, Du Land der Sehnsüchte und des Lichtes, dort – wo die Zitronen blühen, wie Johann Strauss Sohn (op. 364) mal geschrieben hat. Und hinter den Zitronen kommt dann das Meer… Und das alles am besten konserviert, eingedost und aufgehoben bis zum Sankt Nimmerleinstag. Diese Dosen tragen dann allesamt farbige Namen, immerhin müssen sie in den düsteren Norden exportiert werden – sie heissen Venezia, Roma, Sizilia und eben auch nach dem bekannten Brückenbauwerk Rialto.

Und dann beginnt das Spannungsfeld der baulichen Umsetzung einer geistigen Idee, die man auf dem Foto hier als nur bedingt gelungen bezeichnen kann. Überhaupt ist die Umsetzung von idellen Werten in Wulfen-Barkenberg in den Phantasiearchitekturschemata der 70er gefangen. Und da könnte dann ein bißchen Italien eigentlich erhellend wirken. Könnte. Aber hier kann man sich nicht mal befreiend von der Brücke stürzen. Ach Italien.

Artikel

Tag des Bieres

©  Guntram WalterTja, der Tag des Bieres  – in den Medien angekündigt – kommt dann doch nicht überall hin. In der Regel wird doch vor Festtagen geputzt und poliert und schöngeredet. Davon kann hier, unter einer Autobahnbrücke in Gelsenkirchen – einem der wichtigen Aufenthaltsorte für den kultivierten Biertrinker (“Starke Typen trinken leichtes Pils”) – nicht die Rede sein. Man trifft sich eigentlich an und unter der Genußwerbung, redet, marschiert und verändert die Welt, wartet auf besseres Wetter, usw. Aber vielleicht ist der ambivalente Zustand – die fehlende werbetechnische Aktualität – dieses städtischen Raumes hier nur mit dessen Verlassenheit zu begründen – es geht halt voran.

Artikel

Mehrwertmachung

© Guntram WalterAn sich ist Upcycling eine gute Idee, nämlich die Mehrwertmachung von Etwas zu Anderem. Im urbanen Raum findet man immer wieder das herumstehende, verlassene und sich anbietende Grundmaterial, etikettiert mit dem Wörtchen “Zu verschenken”. Und dann liegt es am Finder und dessen Kreativität (und im Besitzsein der Produktionsmittel) den Prozeß der Auf- und Umwertung in Gang zu setzen. Im Prinzip mache ich das gerne. In diesem Fall hier sehe ich allerdings alt aus im alltäglichen Wettbewerb des Kreativitätswahn. Ein Stromkasten, also. Mir fällt nichts ein, mir fällt wirklich nichts dazu ein …