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Grillen

© Guntram WalterGrillen, okay, derzeit temperaturmäßig unter taubengrauem Himmel sicherlich nicht die erste Wahl der Freizeitbeschäftigung. Dieser Himmel hat aber den Vorteil, das man, mangels Alternative, wieder längere Zeit am Schreibtisch verweilt und sich durch Meldungen und News durchwühlt. Und auch dort findet sich etwas dazu, nämlich „Umfrage zeigt: Im Ruhrgebiet wird gern gegrillt“ im idr Ruhr; und dazu in dieser Kurzmeldung aufgelistet, Ausgabenpositionen und Grillgutarten. Alles schön gut und lecker und Sommerloch? Denn was mir aber nicht in den Kopf will – Erklärungen nehme ich sehr gerne an – was diese Meldung mit der Targobank zu tun hat.

„Laut einer Umfrage der Targo Bank in sechs großen Städten der Metropole Ruhr gehört das Rösten über dem Feuer für 90 Prozent der Ruhrgebietsbürger zum Sommer. Rund 630 Menschen im Alter von 18 bis 69 Jahren hatte die Bank in Bochum, Dortmund, Duisburg, Essen, Gelsenkirchen und Oberhausen befragen lassen.“

Gibt es in der Bank mittlerweile im Rahmen eines Consumerkredites vielleicht auch kulinarische Kleinkredite, weswegen die Bank wieder in die Öffentlichkeit muß. Das jedenfalls würde diesem Geldhaus entsprechen, auf deren Internetseiten heißt es vollmundig heißt: „Unser Anspruch /Die TARGOBANK hat ein großes Versprechen und ein klares Ziel: ‚So geht Bank heute.'“ Bedeutet wohl – wir machens, wir sind aktiv, wir finanzieren auch Grillen und Grills – was sich dann aber nur wirklich im Highendbereich wie bei Wagner lohnt. Neues Geschäftsmodell also. Und guten Appetit!

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Großstadtrauschen

© Guntram WalterGerade finde ein verbal leises Großstadtrauschen an einer Brückenmauer. „Never buy a dog with your girlfriend“, heißt es dort. Es ist wohl, was es ist, ein Beziehungsdrama, das sich mit Spiegel und roter Schrift, respektive Lippenstift, ausdrückt. Das ist die Privatversion, die jeder schon einmal so oder so mitgekriegt hat. Hier an der Mauer gewinnt jetzt das Theatralische die Oberhand. Nicht, daß der Text verändert wurde und gewissermaßen fast ins Depressive ableitet und warnt. Auch das Anbringen eines Spiegels – habe ich den schon jemals wahrgenommen – hier an der Brückenmauer zeigt die Energie, mit der der Ausdruck hinaus in den Stadtraum drängt. Und ich mag auch Lippenstift. Ich bin aber nicht der Schreiber. Ich bin nicht der Regisseur.

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Alles flüchtig und verhuscht

© Guntram WalterAlles flüchtig und verhuscht; vom kanadisch-iranische Blogger und Aktivist Hossein Derakhshan fand ich auf „Zeit online“ unter dem Titel „Das Internet, das wir bewahren müssen“ einen sehr lesenswerten und Beitrag über die, der Bequemlichkeit geschätzte, Welt des Social Media und die daraus resultierenden Verwerfungen.

Und es finden sich dort aber solche großartigen Sätze wie „Blogs – der beste Ort, um alternative Gedanken zu finden“ und „Ich vermisse die Zeit, als Leute sich die Zeit nahmen, um mit anderen Meinungen konfrontiert zu werden, und bereit waren, mehr als 140 Zeichen zu lesen“. Und der gefundene Artikel ist sehr viel länger. Also muß schon ein Warnschild her. ACHTUNG!

www.zeit.de/digital/internet/2015-07/social-media-blogger-iran-gefaengnis-internet

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Duisburg, Karl-Lehr-Straße

© Guntram WalterEs gibt keine Zufälle. Da steht am Tunneleingang in der Karl-Lehr-Straße in Duisburg auf einer Plakatwand „Die Welt war noch nie so unfertig. Gib Ihr Biß.“ Was relativ harmlos als Werbesprüchlein daherkommt, kommt an dieser Stelle einer Provokation gleich, denn im und am Tunnel starben vor 5 Jahren während der Love-Parade am 24. Juli 2010 21 Menschen und Hunderte weitere wurden verletzt. Der Wunsch „Groß, größer, am größten zu sein, wie Andreas Roßmann treffend damals in der FAZ schrieb, liessen eine Veranstaltung als „wesentlicher Bestandteil des Ruhr-2010-Programms“ (WAZ 23.01.2010) zu, die Duisburg nicht wirklich stemmen, aber noch weniger absagen konnte und durfte. Und jetzt wieder so ein formulierter Gestaltungswille an einem Ort, wo eben das schon einmal gescheitert ist. Oje! Denn schon vor über 5 Jahren hieß es vollmundig: „Eine richtige Metropole kann das stemmen“. Aber und das wurde eben nicht gesagt; auch ein Nein-Sagen ist immer auch zu stemmen und ist zudem sogar mutiger, meine ich. Gell, Herr Gorny!!

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Kein Geld, kein money

© Guntram WalterAuf einem Plattencover der Rockgruppe „Zoff“ aus den 80ern, waren die Bandmitgliedern am heimischen Küchentisch zu sehen. Mit Bratkartoffeln, Bierflaschen und Mutti, die das alles angerichtet hat, natürlich in der obligatorischen und figurbetonten Kittelschürze aus Perlon oder Dralon. Man feierte, freute sich und trank. Eine Person hingegen arbeitete und lieferte. Mutti.

Jahrzehnte danach titelt eine Zeitung heute „Hart, Härter, Mutti“ und meint natürlich nicht die Bratkartoffelnmutti, die damals auf dem Plattencover zu sehen waren, sondern eher eine andere Mutti, die nämlich liefert, die sich durchsetzt. Und damit sind wir in der trübseeligen Tagespolitik der Pakete und Versprechungen, Lügen, Täuschungen und Selbsttäuschungen. Und da Mutti mittlerweile semantisch auch ein direkt personenbezogener Begriff ist, könnte ich in Analogie zur oben geschilderten Szene mit am Tisch sitzen, wo Jahrzehnte später diesselbe Rockgruppe weltmännisch über das schöne Sauerland singt.

Ich will aber nicht an diesem Tisch sitzen und so betüddelt werden. Heute, jetzt wo andere Seltsames gestalten und allen Visionen ein Ende bereiten. Und so mache ich aus „Hart, Härter, Mutti“  lieber ein „Aus, Vorbei, Europa“, denn auch bei anderen Song von Zoff heißt es schon „Kein Geld, kein money …„.