Auch wieder diese verzweifelte Gerechtigkeitsfixierung in der ideologischen Begründung der Umnutzung – in diesem Fall von St. Ludgerus in Langendreer; diese Hybris frei nach Jes. 66, was irgendwann einmal kommen wird – wenn denn überhaupt – wir machen das sofort: „Sie wird zu einem offenen Raum, in dem Gemeinschaft nicht von vornherein vorhanden ist, sondern erst entsteht – durch Konflikte, Unsicherheit und ständige Aushandlung.“
Wenn St. Ludgerus eine Logik der Pantoffelkirche verkörpert und „eingebettet in den Alltag der Menschen und als Erweiterung der Gemeinde in die häusliche Sphäre konzipiert“ ist – so gilt das offenbar kaum für die manifesta ruhr. Der Ausstellungsort ist von der nahen Bushaltestelle kaum zu sehen, ein Hinweis darauf gibt es nur an der Durchgangsstraße abgewandten Seite.
Und drin dann ein „kontraintuitives Stadion: einen Raum, in dem die Regeln des Wettkampfs außer Kraft gesetzt und neu geschrieben werden“. Das ist dann übersetzt ein Baseball-, Fußballspielmöglichkeitsraum, etc., grell beleuchtet in dem einige Jungen gerade Fußball spielen und wo ab und zu dazu unregelmäßig Orgelakkorde erklingen. Diese haben aber keinen direkten Bezug zum Spiel.
Nein, der Klang strukturiert nicht das Erlebnis, wie es in der Beschreibung heißt. Jede Handlung aktiviert nicht das Gebäude und „verwandelt es in ein kollektives Instrument“. Das ist einfach nur kuratorisch-sprachlicher Blödsinn. Hier stehen viele Dinge einfach unverbunden nebeneinander; wobei das Interessanteste noch die Klavierrahmen an den Baseballkörbe sind. Hier hätte ich mir aber gewünscht, das ähnlich wie beim Flipper, bei Ballberührung oben bereits angesprochender Orgelton erklingt.
Was nützt mir ein katalanisches, also unternationales Künstlerkollektiv, wenn es keine echten und bleibenden Visionen für den Raum gibt: „Die Kirche ist kein Ort des Glaubens mehr, findet aber auch nicht direkt eine neue Bestimmung.“ Klingt irgendwie nach Thema verfehlt. Und eine Zweitnutzung von Kirchenbänken sehe ich jetzt hier auf der manifesta ruhr zum dritten Mal. Was nicht generell zu verurteilen ist, dafür aber die nur sehr wenig kreative Weiter- und Umnutzung. Da war Observatorium mit dem Projekt „Warten auf das Wasser“ und dem Holz aus dem Rotterdamer Hafen sehr viel interessanter.
