Eins – aber noting personal

Dieser großartige Film ist nur eine Momentaufnahme der Begegnung zweier Menschen, die irgendwann zusammenkommen. Es werden keine Gründe erzählt, warum sie hier sind, eine junge Frau mit Zelt und Rucksack in Irland – der ältere Mann lebt in seinem Haus auf einer kleinen Insel. Die Vorgeschichte der beiden kommt immer mal wieder zur Sprache, ist aber bis zum Ende des Films nicht lückenhaft aufgeklärt. Das ist aber auch nicht wichtig.

Wer persönliche Fragen dem anderem stellt, handelt sich eine Strafe ein – der muß singen, vorsingen. Diese etwas komische Sanktionierung zeigt aber Wirkung, denn vordergründig ist kein Interesse an der Geschichte des anderen. Man kapselt sich ab, hintergründig dagegen schon. Beide suchen, wenn sie allein allein sind und der andere es nicht sieht, nach Spuren des anderen. Die junge Frau findet u.a. den Namen ihres Gastgebers, der ihr Unterkunft und Essen für Gartenarbeit gewährt. Er findet ihren Ausweis, sie lebte in den Niederlanden und er fährt daraufhin in ihre verlassene, leere, noch nicht wieder vermiete Wohnung. Er wird sie im folgenden aber nie mit Namen anreden.

Die Suche nach Bausteinen im Leben des anderen ist spannend und wird durch eine äußerst sparsame, fast experimentelle Musik nur selten begleitet. Das passt, denn genauso rar wie die Beziehung ist auch die Musik, wenngleich doch eine zunehmende Sympathiefindung oder Gewöhnung unübersehbar ist, die auf der Regel basiert, den anderen so zu akzeptieren, wie er ist.

Das Ganze hätte sich dann zur normalen Liebesgeschichte entwickeln können, dem ist aber, ein Glück, nicht so. Die aufkeimende Idylle wird jäh durch seinen Tod abgebrochen – eine ungenanne Krankeit war zuvor angedeutet worden.

In Decken und Tücher gehüllt, liegt der Mann wie eine Mumie gehüllt auf seinem Bett. Sie dreht ihn auf die Seite und krümmt ihn, schmiegt sich an und nimmt den so entstehenden Platz mit ihrem nackten Körper ein. Eins – aber noting personal.

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