Filmtipp: Über uns das All

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Das All ist wohl nur noch das, was über den Horizont der Zweierbeziehung von Martha und Paul befindet. Die Unendlichkeit, das Ewige und Statische, das Glück. Könnte man meinen, wenn da nicht die Bandwurmabreise Pauls nach Marseille wäre. Er, der gerade eine medizinische Doktorarbeit, die als Meilenstein bezeichnet wurde, abgegeben hat, findet eine Stelle in einem Krankenhaus in Südfrankreich. Aber er will nicht weg, der Kinobesucher ahnt es längst, und als die Nachricht von seinem Selbstmord in Marseille seiner Frau überbracht wird, entlarvt sich Stück für Stück sein Parallelleben; keine Doktorarbeit, längst exmatrikuliert, etc … Es ist gut, das viele Leerstellen an dieser Person verbleiben. Die Hintergründe werden nicht aufgeklärt, denn sonst würde man sich in der 20:15 Uhr – Wohnzimmergemütlichkeit des ZDF befinden.

Und das macht den Film gut. Das Aufkommen von Trauer und Wut, Nichtwahrhabenwollen der Realität, mit der sich Martha, gespielt von Sandra Hüller, herumschlägt. Großartig in diesem Zusammenhang die Szene im Beerdigungsinstitut, wo es um die Auswahl des Sarges geht. Die Geschäftstüchtigkeit des Verkäufers wird kontakarriert durch Marthas Frage, ob er noch nie jemanden verloren hat und er sinngemäß antwortete – doch seinen siebenjährigen Sohn. Also alles Fassade.

Fassade auch die Beziehung mit dem Geschichtsdozenten Alexander. Er weiß fast nichts von ihr, sie aber auch nichts von ihm, das wird später noch für Überraschungen sorgen. Sie geht die Beziehung beinahe geschäftsmässig an, denn Alexander ist das lebendige Ersatzmodell für Paul, nein sogar viel mehr, er ist in ihrer Gefühlswelt gewissermaßen Paul. Und dieser neue „Paul“ kommt dann zum ersten Mal in die zusammenpackte Wohnung (für den geplanten Umzug nach Marseille) und dann zum zweiten Mal in die Wohnräume des Filmbeginns. Sie sagt dazu: „Ich habe aufgeräumt“. Hat sie es? – nein nicht wirklich. Sie hat den Film nur zurückgedreht.

Tja und dann geht es doch irgendwann nach Marseille mit Paul (neu). Der Selbstmord seines Vorgängers, seine Fassade und Illusion waren offenbar nichts weiter als ein Störfall im Weltenlauf, das irritiert, aber über uns ist das All. Ein großartiger Film!!

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