54. Stadt – Das Ende der Zukunft

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„Passt auf, wovon ihr träumt!“ Das stand auf den Baumwollbeuteln, die vor Beginn der Veranstaltung im Ringlokschuppen Mülheim mit Wasser, Apfel und süßer Waffel – gewissermaßen auch als Überlebenspackage – ausgeteilt wurden. Man weiß ja nie. Man befindet sich in der Zukunft, in revolutionären Zeiten, die aufschreien: „Ruhrstadt halts Maul“. Das ist das Konglomerat von 53 Kreativ-Villages, 2014 gegründet – zufällig hat natürlich das Ruhrgebiet auch 53 Städte und Gemeinden – also eine gewisse Lesart liegt da auf der Hand – und dann kommt das Neue. Der Kreativsozialismus hält Einzug. Jeder Stadt und Gemeinde ist nur eine einzelne kreative Disziplin wie z.B. Schriftstellerei, Filmstadt, u.a. zugeordnet. „Die Fabrik bin ich“ heißt es, und dann wird der Vereinzelung des Einzelnen, der Atomisierung des Ganzen, ein Gegenentwurf im Jahr 2044 entgegengeschleudert. Die 54. STADT! – als Negativutopie der schöngeredeten und ebenso -gearbeiteten Gegenwart. Die Vorbereitung einer jeden Revolution kommt zwangsläufig nicht ohne große Symbole von Religionen aus: Fahnenstukturen, die auf einem Audiowalk den Charakter des wahrscheinlich längst überwundenen christlichen Festes Fronleichnam haben. Sprechchöre mit Litaneienstruktur, ein wenig mich noch an das erinnernd, was vom katholischen Rosenkranz in Erinnerung geblieben ist. Das sind aber nur Peanuts. Denn das stärkste Symbol folgt dann aber im Mülheimer Hafenbecken neben den sichtbaren Spuren der Gentrifizierung an der Ruhr und der direkt dahinter liegenden Ruine des ehemaligen Kaufhofs. Denn der hier an Land gegangene Flussgeist wird mit seinem mitgebrachten Sprengstoff (Hallo NSA – das waren nur Attrappen, mit Klebeband aneinander gebundene Holzstäbe!!!) und mit Hilfe der Zuschauer das dort liegende Katasteramt pulverisieren wo danach das Ausrollen der Zündschnur über einem roten Teppich der Höhepunkt eines großen Weihespiels war. Wir sind angekommen in der 54. Stadt, von der es aber auch in den Litaneitexten heißt.

Die 54. Stadt ist die Stadt der wunderbaren Lücken.
Die 54. Stadt erscheint ohne Ankündigung.
Die 54. Stadt wird gebaut.
Die 54. Stadt wird uns nie ganz gehören / Wir spielen, um alle Rollen zu spielen.
Die 54. Stadt ist schon unter uns.
Die 54. Stadt sucht ihr Territorium.
Die 54. Stadt ist nie verwirklicht.

Und nun? Am Anfang hieß es: „Passt auf, wovon ihr träumt!“ Also bleibt alles beim Alten. Wahrscheinlich. Auch ein Theaterabend und eine Theaterphantasie muß irgendwann einmal enden.

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