Pottselfie

Die Erfinder und Vertreiber von Selfie-Stangen haben sich ein neues Projekt ausgedacht, denn dazu brauche ich diese Teleskopstangen; nämlich die Erweiterung der fotografischen Perspektive durch additive Hinzunahme des umgebenden fotografischen Raumes, der das narzistische Ich umgibt. Also fotografier Dich und ein bißchen mehr Landschaft dazu. Natürlich soll es nicht irgendwelche Landschaft sein, sondern Deine, sagen Sie. Nichts anderes will das Projekt ‎“ruhrselfie‬“, akademisch inspiriert aber uninteressant.

„Unter ‪#‎ruhrselfie‬ sammeln Studenten der Projektgruppe A01 der TU Dortmund Selfies vor eurem liebsten „typischen“ Ruhrgebiet-Hintergrund! (…) Also Kameras raus, Selfies vor dem ‪#‎metropoleruhr‬ Hintergrund eurer Wahl machen und mit dem Hastag #ruhrselfie auf Instagram & Co. hochladen. Den Link dann noch an www.selbsti.ruhr/ senden – dort findet ihr auch alle weiteren Infos!“

Während in Berlin die re:publica stattfand, die sich kritsch mit der Digitalisierung in Deutschland, Europa und der Welt auseindersetzt, erzeugt das ‪#‎ruhrselfie so immer neue und interessante Metadaten. Für wen eigentlich? Aber ich darf das alles nicht so kritisch sehen. Vielleicht kommt tatsächlich etwas sinnvolles raus und wenn auch nur irgendwo neu Gitter und Zäune aufgestellt werden, weil die statische Häufigkeit des ‪#‎ruhrselfie auf fotografisch interessante, tatsächlich aber für Leib und Leben gefährliche Perspektiven hinweist. Dann bin ich aktiver Gestalter meiner immer sichereren und langweiligeren Welt. Yeah!! Ich fotografiere, ich werde fotografiert. Dann schon lieber doch die unsäglichen Lautsprecherdurchsagen am Ende einer kurzen Schiffsreise z.B., zu deren Beginn man beim Eintritt vor neutralem Hintergrund fotografiert wurde: „Ihre Bilder sind schon fertig“. Auch ein Art Selfie!