Papier, analog

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Ich möchte heute hier im Blog eine Lanze für das analoge Notizbuch brechen. Dabei muß es nicht Moleskine oder ein anderes Papierdesignprodukt sein – ich werde auch nicht für das Aufzählen von Produktnamen bezahlt, was ich zum Beispiel von einer Facebookgruppe oder von Bloggerjobs kenne – nein es reicht in der Tat ein normales Vokabelheft, das ja bei den meisten in lebhafter Erinnerung geblieben ist; einfach liniert mit dem grauen Trennstrich in der Mitte. Warum? Es ist ganz einfach. Ich muß dazu nur ein bißchen ausholen.

Bei der Vorbereitung des Frühstücks am vergangenen Wochenende kam es mehrmals zu der Situation, das durch die menschlichen Unzulänglichkeiten der Kühlschrank offen blieb und der letzte Nutzer an anderen Stellen im Wohnraum unterwegs war. Ökologisch nicht gerne gesehen, aber in diesem Fall leider eine Tatsache. Und wie immer, Technik hilft, Technik kann die Welt verbessern und retten, das machen uns unsere großen Demokratievorbilder jenseits des Atlantiks immer wieder vor, nachdem sie mit ihrem Export der Ideologie der Freiheit immer wieder massive Substanzeinbrüche vermelden müssen, siehe etwa Irak, Syrien oder Libyen.

Jetzt heißt es also das Internet der Dinge ist der neue Freiheitsbringer und hier kommt der Kühlschrank wieder mit ins Spiel; und den sich selber füllen und bestellen zu lassen, das Problem gilt mittlerweile fast als gelöst. Aber nicht das Problem der Kühlschranktür. Dessen Schließmechanismus – und nur der – könnte sich doch exakt der geographischen Verortung der Wohnungseigentümer oder Mieter zu ordnen lassen, wenn da nicht ein kleines Hindernis wäre. Weniger aus Datenschutz- sondern vielmehr aus praktischen Gründen, denn da GPS in umbauten Räumen recht ungenau ist, verbietet sich diese Lösung. Die Kühlschranktür könnte also offen bleiben.

Das Zauberwort hier heißt Sprachsteuerung. Mit der laut und deutlich gesprochenen und zu erwartenden Vorgangsbeschreibung, in diesem Fall „Kühlschranktür zu“, wird das Ziel umgehend erreicht. Als Randnotiz wäre noch hinzuzufügen, das diese Form der Sprachsteuerung in der Kulturgeschichte diverse Vorläufer hat, so zum Beispiel im Grimmschen Märchen „Der süße Brei“ mit seinem „Töpfchen koche“ und „Töpfchen steh“. Aber hier schon wird die grundlegende Problematik – und das bereits im 19. Jahrhundert – angerissen; nämlich dem Vergessen der Schlüsselworte. Und es leuchtet sofort ein, das in einem modernen, automatisierten Haushalt die Zahl der Geräte, die fernmündlich zu steuern sind, größer geworden ist, als bei dem herzensguten Mädchen aus dem Märchen.

Und hier kommt jetzt das analoge Notizbuch, respektive das Vokabelheft wieder ins Spiel. Es ist das Stück Papier, das die mächtige „Sesam öffne dich“ – Funktion inne hat.