Die Messe

Die Heilige Messe ist der in der römisch-katholische Kirche gebräuchliche Name für den eucharistischen Gottesdienst. Sie besteht aus zwei Hauptteilen: der „Liturgie des Wortes“ (Wortgottesdienst) und der „eucharistischen Liturgie“. Diese beiden sind eng verbunden und bilden eine gottesdienstliche Einheit; sie werden von Eröffnungs- und Abschlussriten eingerahmt, die dem Kirchgänger in der Regel mehr oder weniger in Mark und Bein übergegangen sind. Und so erregt eine artscenico-Produktion unter Rolf Dennemann mit dem Titel „Die Messe“ wie auch andere zuvor im säkularen Theaterraum erst mal ein wenig Aufsehen, geht es doch um Be-Deutung und Konsekration von Konkurrenzritualen oder -riten. In einer offensiven Verbindung zwischen Tanz und Schauspiel findet sich hier nun der Zuschauer in einer surrealen Messe wieder, deren Rituale sich an religiösen Praktiken anlehnen, aber einer klaren allgemeinen Zuordnung verweigert. Es gibt derer vieler; Segnung, Papstmaske, Schmerzensmutter, Kanibalismus, Geburt, Berührung und Ablehnung, Kraft und Gewalt, Tanz und Trauer, Angst und die säkulare Form von Weihrauch – Theaternebel, dazu Musik von Schubert, Rachmaninoff, Queen und Led Zeppelin und anderen. Schweres und düsteres allemal ohne das Erlösende von Bach. Das ist eine irre schnelle und verrückte Collage von wunderbaren und erschreckenden Bildern und Einfällen, die man auf sich wirken lassen muß. Ergebnis offen, so daß an sich immer wieder erinnert. Ein bißchen Deja-vu. Das alles funktioniert sehr gut mit den Schauspielerinnen Elisabeth Pleß, Lim Hyunjin, Anna Hauke, der Sängerin Patricia Bailey und Virginia Gomez, die als Kickboxerin fungiert, wenngleich diese Figur etwas abfällt, weil funktional unklar. Ob es nun ein Versöhnungsangebot an den Zuschauer ist, wenn es gegen Ende der Messe heißt „Deutschland ist unterkuschelt“ und Stofftiere ausgeteilt werden, das muß jeder selber entscheiden. Aber auch das ist ein Ritual – zum Wohlfühlen oder zum Wiedereinfinden. Ein Schlußlied, ein Schlußchoral, vielleicht.

Die nächsten Spieltermine von „Die Messe“:
24.06.2016, 20 Uhr
Theater im Depot, Immermannstraße 29, Dortmund
Telefon: 0231-982120,
www.depotdortmund.de

02.07. und 03.07.2016, 18.30 Uhr
Theater Rottstraße, Rottstraße 5, Bochum
Telefon: 0163-7615071
www.rottstr5.de