Emscherkunst

Vom Besucherzentrum in der Innenstadt geht es erst einmal auf der Suche nach dem Fluß. Ich muß mich erst einmal in die orange Beschilderung eingeklingt haben. Dann läuft es. Aber bis zum Fluß ist es noch ein weiter Weg.

Ab kommenden Samstag (04. -18. 09.2016) nun die dritte Emscherkunst – nach 2010 und 2013 jetzt im östlichen  Ruhrgebiet; beginnend am Emscherquellhof in Holzwickede reicht die Strecke mit ihren sieben Kunstarealen bis zum Stadthafen Recklinghausen. Die von den Kuratoren eingeladenen KünstlerInnen wollen und sollen einen Dialog mit dem neu entstehenen Ruhrgebiet schaffen. Aber ob sie auch einen Dialog mit den Besuchern schaffen, das ist die Frage. Denn manches ist zu Ausstellungsbeginn noch gar nicht fertig. Und den Bewohnern in den Kunstarealen geht man aber schon im Vorfeld der Ausstellung irgendwie aus dem Weg. Denn am Phönixsee in Dortmund finden sich die Installationen von Erik van Lishout, Benjamin Bergmann, Lucy und Jorge Orta und Natalie Jeremjenko nur am südlichen Ufer, genau gegensätzlich zum neuen Verlauf der renaturierten Emscher im Norden des Sees. Dort ist in den letzten Jahren eine hochpreisige und nicht umumstrittene Wohnbebaung entstanden. Gentifizierung in Hörde entlang der Straße Am Remberg pur. 1, 2, 3 Reihen Wohnhäuser auf dem zum See abfallenden Gelände mit Traumblick. Ich finde, das in diese Monokultur des neuen Wohnens gut Kunst – auch nur für 100 Tage – gepasst hätte. Aber die Emscherkunst, es gibt eine kombinierte Kunst- und Radkarte, ist ein Transformationsprojekt im öffentlichen Raum mit dem entsprechenden Besucher- und Fahrpublikum. An dieser Substanz scheiden sich natürlich die Geister – auch in Dortmund. Das scheint auch Benjamin Bergmann mit seinem venzianischem Kiosk am Ufer verstanden zu haben; nämlich diesen hier als Gesamtkunstwerk in einem Lebensraum mit Wohnen, Sehnsucht, Flair und Urlaub zu präsentieren. Auch für die Anwohner des Seeufers. Man geht den Berg runter und ist mitten in der Welt, glaubt man. Eine wunderbare Ironie und Selbsttäuschung. Dazu gehört auch das trockengefallene Expeditionsschiff ARCA von Stracke & Seibt, das am Phönixsee oberhalb eines kleines Hafens steht. Im Verlaufe der Ausstellung wird es an allen anderen Kunstarealen zu sehen sein, eine geheimnisvolle Wanderung durch die Landschaft mit festen Kunstzielen. Ein anderes Schiff dagegen ist trotz Aussichtspunkt schwer auszumachen und bleibt somit fremd und unverständlich. Die Installation „Wellenbrecher“ am Hochwasserrückebecken in Dortmund-Mengede. Nevim Aladağ hat aus 60 tonnenschweren Betonteilen ein Bild der Arche Noah nachgebaut, wie sie angeblich am Berg Ararat von einem Piloten gesehen worden ist. Aber wie dem auch sei. Auch die Arche Noah war mal eine fremde Baustelle innerhalb ihrer Welt. So auch hier. Hier wartet sie auf einem Enddeichstück, bis dies alles fertig ist. Der Emscherkanal. Dann nämlich wird auch dies Stück wieder verschwinden und mit ihm das Schiff. Wird nicht mehr gebraucht. Die Transformation – dieses Wort hört man überall und irgendwie auch zu oft – ist zu Ende dann. Aber vorher lohnt es sich noch durch die „alte“ Landschaft spazieren zu gehen oder zu fahren – was ich machen werde. Vielleicht wie 2013, wo dann ein Kunstbuch mit dem Titel „Ort Emscher herausgekommen ist, aber auf jeden Fall mit einem neugierigen Blick. Und mit Fragen, die nach Antworten suchen.

www.emscherkunst.de