Sperrzone – ein Tanz- und Theaterprojekt

Sperrzone ist ein vielfältiges Wort, ist ein Tanz- und Theaterprojekt zum Thema Flucht und Heimat. Im Niemandsland, ein Stück Erde ohne definierte geografische Bezeichnung treffen Gestrandete ein, „Reisende“, deren Reise unausweichlich war. Sie haben ihre Heimat verlassen. Dieses Niemandsland ist eine große Wiese in Dortmund Menglinghausen, aber im wesentlichen auch eine atemberaubende Metapher. Und so begleiten einen sehr eindrückliche Bilder. Einen Ruhrgebietsort weiter nach Westen – in Bochum – findet gleichzeitig gleichzeitig zufällig die jährliche Ausstellung – die fünfte – „Urb-Expo“ statt, die sich der Ästhetik von verfallenen Orten widmet und dieses Jahr werden dort vermehrt Bilder aus der verlassenen Arbeiterstadt Prypjat neben dem ehemaligen Atomkraftwerk Tschernobyl gezeit. Auch eine Sperrzone – bis heute – aus der die Menschen fliehen (mussten). Einige davon könnten auch in Dortmund angekommen sein. Mit Seesäcken und Stofftieren hier in Dortmund. Machen dort nur mal kurz Pause, bauen Zelte auf, schliessen sich Ritualen an und beißen ins Gras. Menschlich, allzu menschlich. Dieses Suchen, diese Unruhe, dieses Fragen. Aus der Stille heraus. Das erinnert dann den großartigen Film „Opfer“ des Regisseurs Andrei Tarkowski von 1986. Dort wird ein dürrer Baum am Anfang des Films vom Protagonisten Alexander im Beisein seines sechsjährigen, nach einer Halsoperation, stummen Sohns gepfanzt und der am Ende, als er zum ersten Mal spricht, die großartigen Worte sagt: „Am Anfang war das Wort. Warum, Papa?“ Ein eindrückliches Baumpflanzen gibt es in der Inzenierung von artscenico und Bodytalk auch hier in Dortmund. Nur das der erste Satz des Johannesevangeliums in seiner Universialität leider heute politisch total ausgelutscht ist. Denn dieses Wort wäre eigentlich ein Versprechen, ein Hoffnungsschimmer heraus aus dieser und jener Sperrzone zu kommen. Aus und vorbei. Oder wie die Süddeutsche Zeitung neulich schrieb, es fehle am Narrativ in modernen Gesellschaften. Dann aber baue ich Mauern. Sperrzonen. En Masse. Auch auf diesen Zustand hinweisend kann man das großartige Stück verstehen.

Nächste Aufführungen:
25./26.08.2016, 19.30 Uhr
Jack in the box
Vogelsanger Straße 231 (ehemaliger Güterbahnhof Köln-Ehrenfeld)
50825 Köln