Nacht der Fotografie

Vor der Glasfassade des Wissenschaftsparks Gelsenkirchen findet sich auf der Wiese zur Rheinelbestraße hin ein kleines historisches Schild, das den geographisch exakten Standortes des heute nicht mehr sichtbaren Schacht 6 der ehemaligen Zeche Vereinigte Rheinelbe und Alma ausweist. Auf diesem historisch durchlöcherten Grund findet am 18. November die dritte „Nacht der Fotografie“ statt. Und es ist tatsächlich Nacht für Fotografie wenn das Pixelprojekt Ruhrgebiet, als „digitale Sammlung fotografischer Positionen“ sich nun dem schnellen und derzeit sehr modernen Umfeld der sog. „sozialen Medien“ anpasst. Womit ich wieder metaphorisch beim Schacht und in der Ruhrgebietsgeschichte bin. Durch die Einspeisung nach Instagram – so die Ausschreibungs- und Teilnahmebedingungen – und der Selektion unter dem Hashtag #instaworldruhr versenke ich Bilder gewissermassen in die Untiefen und Löcher des international ungeklärten Urheberrechtes, welches viel mehr nutzorientiert – neoliberalistisch heißt das auch wunderschön demokratisch – anstatt konservatorisch ist. Hier liegt aber der kapitale Systemfehler. Ich mache bei dieser Aktion nicht mit. Nicht weil ich keine interessanten Bilder hätte oder keine Zeit oder Angst vor einer Jury, sondern es fehlt mir lediglich an einem Instagram-Account. Nichts weiter. Ich werde mir aber auch keinen zulegen. Warum? Ganz einfach. Vor einigen Tagen habe ich hier im Blog einen Artikel über das Motiv des Suppenkaspers geschrieben, der ja fern aller historischer Moral in dieser Geschichte nur sein eigenes Ich = Identität kennt. Und damit – modern gesprochen – nicht der gleichgeschalteten, nur nach der Süßigkeit in Form von Klickraten und Likes, gierenden Masse hinterrennt. Das läßt sich auch bei Yvonne Hofstetter und ihrem neuen Buch nachlesen. Die kostenlos bereitgestellten „Identitätsangebote sind aber keine, für das es sich zu brennen“ lohne. So formuliert es etwa Schorsch Kamerun im aktuellen Magazin der Süddeutschen Zeitung. Auch wenn heute keiner noch „streng gekämmte Haare und Beinkleider“ wolle. Oder vielleicht doch? Als Metaphorik! Denn das ist systematisch. Das ist deutlich. Das ist berechenbar. Für die Maschinen um uns. Die uns etwas vorspielen, das es einem dabei warm werden soll. Eine wirkliche „Nacht der Fotografie“ als Identitätssuche und Sammlung hat aber andere Dinge als diese modernen Verhaltens- und Sammlungsmythen verdient. Und deswegen weniger Instagram!

2 Kommentare

  1. Hallo Guntram,

    ob man sich bei instagram nun beteiligt oder nicht, ist eine sehr persönliche Entscheidung. Für viele und auch zunehmend Profis, ist es ein weg ihre Arbeit weiter zu kommunizieren.
    Ich denke hier z.B. an Fotografen wie Martin Parr oder Stephen Shore um nur die bekannteren zu nennen oder auch an die Pixelprojektfotografen Wolfgang Zurborn, Fatih Kurceren, Daniel Sadrowski, Ralf Grossek, Matthias Walendy, Cornelia Suhan…
    Man muss sicher nicht jeder technischen Entwicklung folgen, aber auseinandersetzen muss man sich doch mit Ihnen.

    Ich selbst unternehme mit instaworldruhr den Versuch durch kuratorishes Linie und Aussage in einen nahezu unübersichtlichen Wust von Bildern zu bringen. Komm zur Nacht der Fotografie und überzeuge dich selbst“

    Peter Liedtke

    • Hallo Peter, verstehe ich alles. Ich setze mich auch sehr intensiv mit diesen Techniken auseinander, möchte aber immer auch den soziologischen Aspekt nicht missen. Ich möchte nicht ein von der technischen Entwicklung Getriebener sein. Ich möchte immer frei entscheiden können. Ansonsten wäre etwas schwer falsch gelaufen.

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