DEUTSCHLAND SHORTS – ein theatraler Notvorrat

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10 Experimente zu Deutschland – Theater, Musik, Tanz, Performance

Zehn kurze Theaterstücke (mit einer Länge von jeweils maximal 15 Minuten), die sich jeweils auf einen Aspekt des Themas „Deutschland“ beziehen, werden von 10 verschiedenen Künstlern, Künstlergruppen, Ensembles usw. aus allen darstellerischen Bereichen produziert. Die entstandenen Inszenierungen werden im Rahmen einer 2-tägigen Veranstaltung sowohl im Theater im Depot (Dortmund) als auch im Rottstr 5 Theater (Bochum) gezeigt.

Deutschland ist in kontemplativer Aufregung. Selten zuvor war das Gefühl so spürbar, dass sich so viele Ereignisse mit so unvorhersehbarem Ausgang überschlagen. Unsere Heimat: Soll man sich wohlfühlen oder aufbegehren? Oder tut man beides gleichzeitig?

Das Bestreben, unterschiedlichste Seiten eines ganzen Landes zu beleuchten – Historisches, Gegenwärtiges, Unmittelbares und Assoziatives, reifte zu der Konzeption dieses Projekts heran, das zwei Hauptziele hat: Eine Vielzahl künstlerischer persönlicher Blicke auf Deutschland zu ermöglichen und dabei dem ungewöhnlichen Format, dem „Short“, d.h. einer kurzen Performance, eine Bühne zu geben.

Drei renommierte freie Ruhrgebietstheaterinstitutionen bilden den Mittelpunkt, aus dem heraus eine Vielfalt an freien darstellenden Künstlern sich formieren und präsentieren sollen. Als aktive Produzenten schaffen sie Beiträge direkt aus den Reihen ihrer anerkannten Künstler, als Kuratoren bemühen sie ihr umfangreiches künstlerisches Netzwerk.

Uraufführungen
9. und 10. November 2017, 19.30 Uhr
Theater Rottstr.5 in Bochum
Karten unter www.rottstr5-theater.de/index.php/karten

11. und 12.11. 2017, 20.00/18.00 Uhr
Theater im Depot in Dortmund,
Karten unter www.depotdortmund.de/theater-im-depot/tickets.html

Eine Koproduktion des Rottstr 5 Theaters (Bochum) mit dem Theater im Depot (Dortmund) und artscenico e.V. (Dortmund)
Künstlerische Leitung: Hans Dreher (Rottstraße5 Theater) und Rolf Dennemann (artscenico)
Kooperationspartner: Berthold Meyer (Theater im Depot)

Beiträge von:

tsuˈhaʊ̯zə
Beobachtungen eines Zugezogenen

Grammatikalisch korrekte Beobachtungen und Geschichten. Das sind ein paar Quadratmeter durchdeklinierte deutsche Realität. Ein Einblick in den Mikrokosmos Nachbarschaft als Teil jüngerer deutscher Biografie. Perfekt, Präsenz, Futur….

Spiel: Georgios Kouldakidis
Regie: Matthias Hecht

Georgios Kouldakidis kommt aus Griechenland. Dort hat er 35 Jahre lang als Schauspieler und Regisseur für Film und Theater gearbeitet. Seit 5 Jahren lebt er mittlerweile in Deutschland.
Matthias Hecht ist freiberuflicher Schauspieler u.a. am Rottstr5 Theater und arbeitet seit Jahren mit Rolf Dennemann und artscenico e.V. zusammen.

Wenn Hände sprechen

Bei einer Vorrecherche wurden Tänzer aus verschiedenen Herkunftsländern, mit Wohnsitz in
Deutschland, in ihrer Landessprache interviewt. Der Fokus liegt dabei auf spontane persönliche und typische Gestikulation die im Nachhinein ausgefiltert werden und weiterhin in eine choreographische Sequenz zusammenwachsen. Die Faszination liegt in der Veränderung der Gestik bei einer Wiederholung des Interviews in deutscher Sprache.
Die Performance bewegt sich zwischen narrativen sowie abstrakten Be-Deutungen und sprachlichen Klängen. Choreographiert und getanzt von Photini Meletiadis und drei weitren Tänzerinnen.

Photini Meletiadis ist 1987 in Calw/DE geboren und wuchs in Kavala/GR auf. Ihr Diplom in Bühnentanz und ihren ‚Master of Arts‘ in „Tanzvermittlung im zeitgenössischen Kontext“ schloss sie am ZZT, HfMT in Köln ab. Sie ist als Tänzerin, Choreographin und Tanzpädagogin im Raum NRW, sowie im Ausland tätig. Ihr Fokus liegt auf site-specific Performance Inszenierungen und auf der Suche der Auseinandersetzung von Livemusik und Bewegung.

Mondnacht / Performance

„Je mehr ich darüber nachdenke, desto mehr zieht es mich hinaus in die Grübelei, in deutsche Grübelei. In einen Wald, in die Natur. Die Romantik.

Im Herbst das Laub der Wälder
Die dünne alte Haut
Der Himmel, die Erde
Fest verankert auf Heimatboden
Fliege ich dahin
Einigkeit und Recht und Freiheit“

Rolf Dennemann, Regisseur, Autor, Schauspieler und Redner, begibt sich in einen Tunnel der Improvisation.
Regie: Seit 1982 ca. 60 eigene Bühnenkreationen und ortspezifische Inszenierungen, Arbeit als Schauspieler seit 1979 auf Bühnen und in Kino und Fernsehfilmen, u.a. mit Adolf Winkelmann, Tom Tykwer und Fatih Akim
Autor: Hörspiele, Theaterstücke, Drehbücher, Rezensionen, Essays, Glossen und Kurzgeschichten, eigene Soloprogramme.
Leitete bis 2009 das internationale Symposium und Festival off limits und andere Festivals wie „Theaterzwang“ (1996/98).

Ohne Titel

Wir, die ANAListen, schauen mit unseren riesigen Augen auf diese winzige Welt: Du hast Erfolg, wenn Deine Konkurrenten am Boden sind. – Wer sind Deine Konkurrenten? Alle.

Ein Projekt von: LokalANAListen
TEXT: Matias Faldbakken; MACHT UND REBEL
REGIE: Mizgin Bilmen
Spiel: Linus Ebner

Mizgin Bilmen geb. am 18. Oktober 1983 in Duisburg ist freischaffende Regisseurin, stammt aus dem Gastarbeiterproletariat und lebt seit 2016 wieder in Duisburg, dem Puls ihres Schaffens. Kern ihrer Arbeit ist die analytische Auseinandersetzung des Verhältnisses des Einzelnen zur Gesellschaft und umgekehrt bis heute. Die Frage nach gesellschaftlichen Mechanismen, die das Verhalten des Einzelnen verändern und die Frage nach der Zeit, die wir er- und leben bilden bei Mizgin Bilmen ein zeitloses Spannungsfeld. Vom Opfer – zum Täter – zu Attentäter lautet ihre Devise.

Dilemma

Hier in Deutschland wird alles anders. Hier wird alles besser! Eigentlich sollte es sich hier alles um mich herum drehen. Stille. Russische Diplome, Zertifikate und andere unnötige Sachen. Wer bin ich eigentlich? Countdown läuft. Bin in einem Bratwurst-Dilemma.

Elena Leniger: Russische Tänzerin, Choreographin und Performerin. Ausgebildet und 10-jährige Tätigkeit an dem Moskauer Theater „Schule der dramatischen Kunst“ von Anatolij Vasiliev.  Eigene Dance Company „Po.V.S.Tanze“; Sascha Waltz und Teilnahme an der deutsch-russischen Co-Produktion „Na Zemlje (Auf Erde)“. Lebt seit 2010 in Deutschland.

Um den Schlaf gebracht – Hetzerträume werden wahr

Denk ich an Deutschland bei Nacht und würden dann alle negativen Prognosen eintreffen, wären alle Ängste begründet, würden all diese bösen Ahnungen, diese diffuse Gefahren tatsächlich eintreffen… wie sähe es in Deutschland aus? Und wie würde es sich anfühlen?
In der düsteren 15minütigen Aussicht und Einsicht in die Filterbubble der Hetzer wird, mit Stimmgewalten und minimalistischen Überspitzungen, dieses Zukunftsbild zwar nicht ernst genommen, aber so real, wie eine Bühne es nur zulässt.

Text: Das Internet
Performance und Konzept: Elisabeth Pleß

Elisabeth Pleß ist freischaffende Schauspielerin und Regisseurin Jahrgang 1981 mit der Basis in Köln. Sie wuchs auf in der Nähe von Leipzig und absolvierte -nach einem unvollendeten Physikstudium- das Schauspielstudium 2008 in Köln. Sie arbeitet seitdem u.a. mit der Bühne für Menschenrechte Berlin, dem Deutsch-Griechischen-Theater Köln, Theater Wrede Oldenburg und artscenico Dortmund. Seit 2008 konzipiert und inszeniert sie Performances und Theaterstücke, am liebsten interdisziplinär. 2014 gründete sie das Ensemble DRANGWERK. 2016 wurde sie für den „Förderpreis des Landes NRW für junge KünstlerInnen“ in der Sparte Theater und Tanz nominiert.

Und jetzt will ich nach Hause
nach Arno Geiger, Thomas Brasch und Lisa Genova
Dies ist die Geschichte einer Frau, die ihre Welt langsam verliert. Die ihr Zuhause zurückhaben will, aber nicht weiß, wo sie danach suchen soll. Und die ihres Sohnes. Dessen Jagd nach Heimat in eine Doktrin für Zugehörigkeit führt. Und es ist die Geschichte von Home. Von ihrer Sanftmut, ihrer Allgegenwärtigkeit und ihrer Zerbrechlichkeit.

Ariane Kareev. geb. 1994 in Bochum. Mit 11 Jahren konzertierte sie als Klaviersolistin in Deutschland und Bulgarien. Nach ihrer Tanzausbildung und ersten Regiearbeiten begann sie 2013 ihr Regiestudium an der HfS Ernst Busch Berlin. Ariane Kareev inszenierte in Bochum, Berlin, Straßburg und Karlsruhe u. A. „L’Histoire du Soldat“ von Igor Strawinsky und „Unschuld“ von Dea Loher. 2018 wird sie ihr Studium mit der Oper „Der Diktator“ von Ernst Krenek an der Neuköllner Oper in Berlin abschließen. Figuren

Deutschlands neuere Geschichte(n) – ein Blick zurück auf heute

Vor 100 Jahren tobte in Europa der 1. Weltkrieg, die „Ur-Katastrophe des 20.Jhrdts.“ Deren politische und kulturelle (Spät)folgen bzw. Grundsatzfragen, die sich aus dieser radikalen Umwälzung ergaben sind als Ausläufer bis heute spürbar – oder werden mit den neuesten politischen Entwicklungen gerade wieder aktuell. Anhand von exemplarischen Texten der Vertreter jener Generation, Ernst Toller, Ernst Jünger und Kurt Schwitters wird eine theatralische Sondierung dieser extremen Zeit versucht.

Carl-Herbert Braun 1963 in Freiburg geboren. Seit 1989 freischaffend u. a. in Berlin, Marburg und Hamburg, als Gast an den Staatstheatern Darmstadt und Stuttgart und am Jugendtheater Heidelberg. Zahlreiche literarische Programme und Lesungen, Sprechertätigkeit beim WDR. Lebt seit 2009 als freier Regisseur, Schauspieler und Autor in Köln.

Christoph Iacono studierte an der Hochschule für Musik und Theater Hannover. Als freier Pianist, Komponist, Theater- und Bühnenmusiker arbeitet er für unterschiedliche Theater wie beispielsweise das Thalia Theater Hamburg, Schauspiel Frankfurt, Schauspiel Köln, Schauspielhaus Bochum, Staatstheater Mainz, das Oldenburgische Staatstheater, Theater Bielefeld und Theater Dortmund. Regelmäßige Zusammenarbeiten verbinden ihn unter anderem mit den Regisseuren K.D. Schmidt, Wolf-Dietrich Sprenger, Laura Linnenbaum, Sébastien Jacobi und Andreas Kriegenburg.

Weiterer Schwerpunkt seiner Arbeit sind Kompositionen für Tanz und Tanztheater. Für zahlreiche Choreographen hat er bereits Stücke realisiert und spielt darüber hinaus auch in „Palermo, Palermo“ von Pina Bausch. Mit dem international renommierten ENSEMBLE LIBERTANGO hat Christoph Iacono die vom NDR produzierten CDs „El Angel“ und „El Porteño“ (Laika-Records/Rough Trade) veröffentlicht.

Das Foto aus der Inzenierung „Mondnacht“ von Rolf Dennemann wurde für den Kunstpreis Wesseling 2018 nominiert.

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