Telefonieren

Telefonieren ist wahrscheinlich gerade heutig wichtig. Wir schreiben den 30.04. und ein Tanz- und Vergnügungsabend steht in die Beine. Da heisst es Dinge zu organisieren, zu und absagen, Ausreden zu schicken und dann als Beispiel des „in der Cloud sein“, Fotos vom laufenen „Ich fühle mich wohl-Event“ zu verbreiten wenn man die Gebrauchanweisung des technischen Hilfsmittels versteht oder für die Bedienung einer intuitiven Benutzerführung mit Übersetzungfehler etc. gemacht ist.

Da die Gefahr groß ist, das man sich im imformellen Dschungel der Ich-Planeten verirrt, etwa plötzlich etwas sieht oder hört, was man nicht wollte und was die akurate Gefühlswelt in Aufruhr versetzt – dafür gibt es jetzt ein neues technisches Spielzeug – ein koscheres Smartphone in Israel. Der Begriff koscher passt nicht, es müsste vielleicht heissen, featurereduziert, da das Gerät keinen SMS-Dienst, keinen Internetzugang, weder Facebook noch E-Mail und noch nicht einmal eine Kamera hat um fromme Juden nicht in Versuchung zu führen. Auch hier gilt natürlich der Wille und der Glaube sind stark, das Fleisch aber schwach und deswegen muss eingeschritten werden. Hinzu kommen fromme Klingeltöne, das ist nicht wirklich Neues – denn auch ich entscheide mich je nach Gefühlslage mit Melodien wie „Großer Gott wir loben dich“ bis „God save the queen“ vom Wunsch des Anrufers mich zu sprechen, zu hören. Neu und ungewohnt ist eine Menüführung in Jiddisch, jenem Sprachmischmasch, das in der Kultur Osteuropa entstand und über das bei Isaak Babel zu lesen ist. Hierzu mussten neue Begriffe gefunden werden, ein „Schirm Verteidikung“ meint etwa einen Bildschirmschoner.

Den Entwicklern nicht gelungen ist dagegen, das dieses die Religion unterstützende Wunderwerk Einfluß auf die es umgebende Räumlichkeit hat, in die es, vielleicht nur zufällig, zur Seite gelegt wurde.

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