Gerade wird aus aktuellem Anlaß wieder einmal über die freie offene Gesellschaft geschrieben. Aber was ist das eigentlich? Darüber habe ich eigentlich nichts in diesen Tagen gelesen; nicht einmal der Hauch einer Nachfrage, eines Definitionsversuches. Ist diese Gesellschaftsform vielleicht ein kompletter Seinzustand, dann bleibt aber die Frage nach dem zeitlichen Horizont. Oder ist dieser Zustand nur ein Jetzt, dann auch etwas Blubberndes, Brodelndes, vielleicht gasförmig, nebulös? Wo ist ein theretischer Tiefgang?
Nebulös erscheint mir das am ehesten richtige Wort zu sein. Man redet über etwas, was nicht fassbar ist, aber auch nicht werden soll!! Vielfalt!! Denn dann gibt es Sieger und Verlierer, Verlorene, Lebenslügensysteme, Eindeutigkeiten. Man muß Partei ergreifen. Mal etwas aushalten, ohne direkt zur Petz- und Prangerinstitution zu rennen, die sich u.a. awaereness-Teams nennen.
Ich finde die freie offene Gesellschaft ist eine Chimäre für ein „Ich will alles und immer, jederzeit“, ein hyperkapitalistisches „Ich will Spaß“-Blasensystem – analog zum Lied von Markus – oder in Marketingsprech und dessen Logik ausgedrückt „Nichts ist möglich“ (Toyota) oder „Geht nicht, gibts nicht“ (Praktiker); was aber auch eine Gegnerschaft auf den Plan ruft. Und ist überhaupt nicht so offen und im kantschen Sinne (Was ist Aufklärung?) sogar antiaufklärerisch. Denn wer definiert Bedürfnisse eigentlich? KI und Social Media? Ich halte sie mit diesem nicht wirklich offen gelegten und ausdiskutieren Machtanspruch und unkritischen Umgang mit sich selber für gescheitert; was die Auseinandersetzung mit dem folgenden Satz zeigen könnte: Hat die Inflation von Waldbränden auch etwas mit der Inflation von CSDs zu tun? Klingt wahrscheinlich komisch und provokant. Genau das zeigt das Titelfoto zu diesem Beitrag. Das um sich selbst kreisende, neue Selbstverständnis der Ichs ist blasenartig und nimmt die Welt und die Natur nur noch schemenhaft wahr. Man muß nur sich hineinstellen, hier auf einen Lichtevent von Urbane Künste Ruhr 2014 in Hamm.
