Grüne Seifenblasenschildkröte entlaufen – Herzberg 2026

Nach 7 Jahren Abstinenz Rückkehr auf den Berg; am vergangenen Wochenende auf das Burg Herzberg-Festival. Das war 2019, EBikes gab es damals noch nicht, E-Zigaretten auch nicht, zumindestens nicht in der Verbreitung heute. Roller ebensowenig. Und hier tatsächlich alles kaum anzutreffen.

Und trotz der Zeitspanne ist es ein wenig wie im Discounter; bekannte Plätze sind gesetzt; Bühnen sowie aber auch die obligatorische Verpflegung, dann der Merch. Das Indien- und Vintagemodegeschäft hat nach wie vor Konjunktur – alles gerecht hergestellt, dann aber auch Emailegeschirr – und Stirnrunzeln von mir – nächstes Jahr Schraubenzieher und Vorwerks Thermomix in der Hippie-Edition? Was aber hatte ich erwartet? Denn das Tandem Hippie und Technik war immer schon ein Spannendes. Ich kann mich noch an Rainer Langhans auf dem Herzberg erinnern, der 2016 Google wie den HERRN lobpreiste. Aber Bitcoins nahm man bei der Bezahlung von Parkausweisen in diesem Jahr immer noch nicht. Ich habe extra nachgefragt.

Auch die Handynutzung hält sich in Grenzen und damit das zombihafte Rumgerenne immer mit dem digitalen Führungsoffizier vor der Nase. Obwohl das Netz tatsächlich hier in the middle of nowhere echt besser geworden ist ohne das hier ein temporärer Funkmast steht. Und statt Umhängehandy mit Echtkettchen ist doch das Modeaccessoir Umhängetrinkflasche, in nettem Batikstoff oder Makramee verpackt, unlängst kleidsamer. Dazu Phantasie- und andere Gestalten, etc. allerorten; Ernie, der auf dem Weg in Rockpommels Land ist, oder der Electrolurch, der aber wegen Gewitter nicht aufreten konnte. Im Bühnenraum lag aber schon das Kostüm verteilt. Und auf dem-Shirt eines vielleicht 14jährigen Jungen lese ich „Enjoy Muddy Waters“ – wow, dann haben die Eltern doch etwas richtig gemacht; ein gelebter Idolkult dezent sichtbar, der neben vielen anderen steht, die da heißen – personell entkoppelt – Liebe und Frieden. Irgendwie fällt mir da der Kantsche Text „Vom ewigen Frieden“ ein. Kannte der schon die schwierige Korrelation von Frieden und Müll? Festivals gab es da noch nicht. Aber warum zu genau hinsehen, wenn man zu etwas Grösserem berufen zu sein scheint.

Was mich dann doch etwas stutzig gemacht hat; nicht nur einmal werde ich an Ständen gesiezt. Dann habe ich offenbar etwas mit meinem Äußeren gemacht, was mir aber nicht bewußt ist. War das früher genauso? Ich kann mich nicht erinnern.

Die beste Annäherung ist immer auch Inschriften, Metatags, Insignien, die Seelenbotschaften eines Festivals, zu lesen. Das wäre etwa so etwas wie das verrätselte „Grüne Seifenblasenschildkröte entlaufen …“; ein wohl bekanntes zoologisches Unikum, das hier aber nur in einem metaphysischen Kontext betrachtet werden soll. Ist nämlich der bekannte Kater am Montagsmorgen danach. Darüber thront aber groß das Wort „eternal love“ – der BVB lässt sinngemäß grüßen – hier das Festivalmotto 2026. Hoffentlich 360 Tage lang.

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