Der Teufel

Ich weiß gar nicht, ob ich darüber schreiben darf. Was ich gerade erlebt habe. Auf dem Wehofener Feld in Dinslaken an der Emscher. Rauch, Qualm, eine Menschenmenge, die um einen Altar gruppiert war. Zwei Kleinwüchsige, die Zirkusmusik machen  – auf Geige und Akkordeon. Ein Priester, der Litaneien murmelt und ein freier Geist, ein Schamane, frei in seiner Art mit einer Wolldecke als Umhang. Er grüßt und segnet die Himmelsrichtungen. Zündelt Fackeln an. Holt sich dann einen Eimer voll mit Emscherwasser und giesst diesen in ein Loch. Dann als Rauch und Zauber am größsten sind, scheint der Altar zu explodieren. Ich sah eine rote Gestalt hervorbrechen und nach Menschenart das Weite suchen. Man raunte, das sei der Teufel gewesen. Der dann irgendwo hier an der geraden und geplanten Emscher gelebt hat. Puuh.

Aber ich frage mich auch, was ist in der Zukunft. Jetzt ist er erst einmal weg. Aber wirklich endgültig – und was ist, wenn er zurückkommt? Und können wir ihn an einer neuen und renaturierten Emscher überhaupt jemals noch finden und in die Schranken weisen. In dieser Natur wird man sich gut verstecken können. Und dann? Dann werden wir offenbar mit ihm zusammen leben müssen. Irgendwie. Schöne Aussichten! Schlimme Aussichten! Und deswegen weiß ich nicht, ob ich das schreiben darf.

Update:
Ich darf es nicht schreiben. Von nun an werde ich verfolgt!

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4 Kommentare

  1. Ergänzung zu meinem Leserbrief vom 25.10.

    Letzte Woche schrieb ich Ihnen als Mitglied des Dinslakener Vermesserteams Callart. Verschiedene Lesernachfragen veranlassen mich nun zu einer Ergänzung: Mit den von mir im Leserbrief aufgeworfenen Fragen sollte nicht prinzipiell die Möglichkeit in Abrede gestellt werden, dass sich am 29. September Ereignisse auf dem Land für 5 finale Handlungen abgespielt haben könnten, die die Wissenschaft bisher so nicht für möglich gehalten hat. Derzeit überprüfen wir diese Phänomene und hoffen, unserem Auftraggeber Prof. S. Dillemuth in Kürze gesicherte Ergebnisse vorlegen zu können. Die Öffentlichkeit wird diese Ergebnisse kostenlos entweder auf dessen Webseite http://www.societyofcontrol.com, möglicherweise auch auf den Webseiten der Veranstalter http://www.gflk.de oder http://www.eglv.de überprüfen können.

    Mit freundlichen Grüßen,
    ein Mitarbeiter von Callart

  2. sehr geehrter herr gunwalt, haben sie dank für die übersendung der wirklich sehr schönen fotos! auch den peripheren blick den sie auf die emscher und die emscher kunst werfen habe ich in ihrer publikation mit interesse nachvollziehen können.

    bzgl der hier veröffentlichen zuschrift, ob man den teufel sehen kann oder nicht, bzw ob man das vermesserteam sehen kann oder nicht, oder ob evtl das vermesser team den teufel nicht sehen kann weil das vermesserteam vom fotografen nicht gsehen werden kann, also, inwiefern die vermessungstruppe und der teufel und der fotograf nun visuell verkettet sind, dazu müsste man den teufel auch einmal zu worte kommen lassen, aber der ist ja nu wech…

    dazu will ich nur soviel sagen, dass man nicht alles sehen kann was man sehen könnte und dass es unserer aufmerksamkeit bzw dem sehvermögen geschuldet ist zu SEHEN… das klingt banal, aber so ist kunst eben eine kunst des sehens, bzw eine kunst des sichtbarmachens.

    mit schönen grüßen

    s dillemuth

  3. An Gunwalts Blog,

    Ich schreibe Ihnen als Mitglied des Dinslakener Vermesserteams Callart, dass an der von Ihnen beschriebenen Teufelsaustreibung im Auftrag von Herrn Prof. S. Dillemuth mitgewirkt hat; parallel und Teils in Kooperation mit den ebenfalls von ihm beauftragten Herren Priester und Schamane. Heute erst erfuhr ich von Ihrem Blog und bin froh, so gute Fotos zu sehen, weil ich selbst so sehr in unsere Tätigkeit involviert war, dass ich viele von Ihnen dokumentierte Details nicht gesehen habe oder aus der Entfernung nicht richtig erkennen konnte. Vor allem den Teufel habe ich in all den Dämpfen, Lichtphänomenen und Krachen nicht wirklich erkennen können und nur weil alle anderen von ihm sprachen, nehme auch ich an, dass mich meine Wahrnehmungen nicht täuschten und ich ihn vielleicht gesehen haben muss. Einer unserer Mitarbeiter, Herr Matthias Moser, dem während des Prozedere die Aufgabe flächendeckender Kameraobservierung übertragen war, konnte ein Foto erstellen, auf dem der Teufel wahrscheinlich erfasst aber nicht befriedigend klar zu erkennen ist. Und jetzt sehe ich Ihre Beweisfotos! Aber, verzeihen Sie die Nachfrage, könnten die auf diesen Fotos erkennbaren schwarz-roten Körpermanifestationen( angesichts der starken Rauchentwicklung während des Prozedere) zufällige, die Wahrnehmung täuschende Rauch- und Lichtzusammenballungen gewesen sein? Zwar widersprach deren Abzug nach Osten in die Richtung der Nacht der Tageswindrichtung, aber wir konnten generell feststellen, dass es im Schatten des Deiches ohnehin ständig Windverwirbelungen gibt.

    Letztere These kann nur dahingestellt bleiben, denn viele Beobachter, so ergab unsere Recherche, haben den Teufel ähnlich deutlich gesehen wie auf Ihren Fotos dargestellt. Es gab aber auch Besucher, die meinen, dass er nicht da gewesen sei und sie nichts außer, so ein Befragter, „Rauch und Geknall“ wahrgenommen hätten!

    Ich muss Ihnen gestehen, dass ich mich auch mit der Frage trage, ob die Phänomene zum Ende des Prozedere ein Trickbetrug desjenigen waren, den Sie in Ihrem Text den „freien Geist“ nennen? Sein Gebaren war, mit Verlaub gesagt, offensichtlich unseriös.

    Interessant finde ich, dass Sie uns Vermessungsingenieure weder in Fotos noch im Text nennen. Unsere parallelen, systematischen Ansätze (a. Erstellung des Vermessungsnetzes und Codierung, b. flächendeckende Behandlung des Areals mit Pestizid, c. Aufstellung der Lebendfalle, d. Foto- und Videoobservierung) müssen auch Ihnen aufgefallen sein. Faktisch falsch ist an Ihrem Text die Aussage, dass der Schamane das Wasser geholt hat („Er grüßt und segnet die Himmelsrichtungen. Zündelt Fackeln an. Holt sich dann einen Eimer voll mit Emscherwasser […].“) Mein Kollege aus dem Team Callart hat dies bewerkstelligt. (Übrigens haben Sie selbst diesen Sachverhalt in Ihrem Buch „Ort Emscher“ mit einem Foto belegt. Das Buch finde ich übrigens gut gelungen.)

    Angesichts dieser Unterlassungen muss ich fragen: Haben Sie den Anteil des Vermesserteams Callart an dem Versuch der Teufelsaustreibung absichtlich nicht bemerken wollen? Mit welchem Ziel? Weiterführend muss ich fragen: haben Sie absichtlich das Ereignis fälschen wollen, indem Sie diejenigen verschweigen, die – und hier die Andeutung einer weiteren Frage: – z.B. den Wahrheitsgehalt Ihrer digital erstellten Fotos anzweifeln könnten, weil sie nämlich vorurteilsfrei mit objektiv überprüfbaren Methoden vorgehen? Mit diesem Hinweis verbleibe ich höflichst und mit freundlichen Grüen aus Dinslaken,

    ein Mitarbeiter von Callart.

    • Gut, ich muß mich dahingehend berichtigen, das ich sehr wohl viele Gestalten mit Warnwesten wahrgenommen haben. Diese waren bereits anwesend, lange bevor der später transformatorische Rauch und Feuer das Licht des Tages und des Abends erblickten. Dann wurden Pflöcke in den Boden gerammt, es wurden Linien gezogen und Grenzen gezeichnet. Außerdem gab es „Regieanweisungen“ für die Zuschauer.

      Aber könnte es nicht vielleicht auch sein, das der moderne Mensch auf der Suche sich lieber mit den Mythen und Archetypen auseinandersetzen möchte – oder was er dafür hält – als mit Dingen und Erscheinungsformen des Alltags. Und dazu gehören natürlich auch die Grenzvermesser von callart. Ich habe den Namen der Firma zuvor nie gehört – konnte bis dato über das Leistungsportfolie nichts sagen – und aus dieser Unkenntnis heraus habe ich sie auch ein bißchen einer Firma zugeschlagen, die für die benachbarten künstlichen Berge und deren Sicherheit verantwortlich ist.

      Was jetzt natürlich nicht wieder vorkommt.

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