Wir müssen reden

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Es gibt viele Situationen, die mit den Worten beginnen: Wir müssen reden. Das ist eine Willenskundgabe, eine Absichtserklärung, eine klassische Szene im Beziehungsfilm. Und idealerweise geht der Andere auf diesen Wunsch ein. Das könnte man dann als Kommunikation, die eben aber noch ausbaufähig ist,  bezeichnen.

Schwieriger wird es, wenn aber die Willenskundgabe im Raum verhallt, ja das Gegenüber gewissermassen taub ist oder über das narzistische Ichsein hinaus über keinerlei Rezeptoren zur Kommunikation mit der Aussenwelt verfügt. Das ist der Fall in dem folgenden Satz, den ich neulich las: „Liebes Facebook, wir müssen reden„. Nun ja.

Dazu passt ein Aufsatz in der Süddeutschen Zeitung vom Montag mit dem Titel „Freiheit von Facebooks Gnaden“. Die Freiheit ist das nicht reden. Das Vorpreschen mit einem Geschäftsmodell, das Ändern und Abnicken von AGBs (ohne Klicken) vorsieht und dem dann folgenden verzweifelten Versuch von Usern Widerstand durch Protestbildchen in Ihrem Account („Aufgrund der neuen AGB’s in Facebook widerspreche ich hiermit …“ ) irgendetwas zu bewirken. Könnte der dahinterstehende Algorithmus lachen, so würde er es tun, lauthals. Und dann vielleicht erklären: „Ihr seid doch selbst schuld.“ In der SZ hört sich das dann so an.

„(…) solange Moralvorstellungen nicht gestört werden: Hakenkreuze sind erlaubt, Brüste nicht. Kleine Probleme, die aber einereits nur den Beginn der Debatte markieren, andererseits bereits dazu beitragen, das etwa Facebook eine gigantische Infrastruktur aufgebaut hat, die öffentliche Aufgaben nachahmt. So entscheiden Facebook-Angstellte über Anträge von Nutzern, andere Nutzer zu sperren oder ganz von der Seite zu löschen. Die Facebook-Angestellten, die dafür sorgen müssen, das kein Recht verletzt wird, weder das von Facebook noch die staatlichen Gesetze, recherieren, urteilen und exekutieren in Personalunion. Wer aber von einer Seite wie Facebook ausgesperrt wird, wird auch vom Diskurs ausgesperrt, der sich in diesem privaten Raum entwickelt. Direkt demokratisch legitimiert sind diese Entscheidungen nicht, obwohl sie mehrere grundlegende Erungenschaten der Demokratie berühren, darunter Meinungsfreiheit. Umgekehrt bedeutet das auch: Wer sich gegen eine Anmeldung bei Facebook entscheidet, ist von mehr ausgeschlossen, als dem Produkt an sich; für denjenigen bleibt die Tür zu einem wachsenden Teil der öffentlichen Debatte verschlossen. Die Hoheit über gesellschaftliche Debatten geht also in den Machtbereich privater Konzerne.“

Wir müssen reden. Und ob und anders!!

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